Glänzende Erstlingsstrahlen mit Sir Roger Norrington: Das Gürzenich-Orchester in Brahms und Elgar

Dego eingelassen... in ungewohnter non-vibrato-Puristik bewältigte und zusammen mit dem expressiven wie dynamischen Pingpong so klar und abwechslungsreich in den fließenden Dialog mit dem Orchester treten konnte. Machte sie schon in den harmonisch schwierigen, romantisch-kantablen Einfahrungen im ersten Satz von mehr Vibrato Gebrauch, hatte Dego natürlich mehr Freiheiten in der Kadenz, in der sie das Hin und Her im Kleinen mal fein, spitz und sanft, mal wild und kraftvoll, ja energisch groß verarbeitete. Und mit dem Flitzen im mitunter doppelgriffigen Technik-Wahnsinn dürfte (Mit-)Kompositeur Joseph Joachim seine Freude gehabt haben, bevorzugte er doch ein schnelles Tempo, selbst wenn er im Bewusstsein um den herausragenden Anspruch kleinere Sicherungen einfügte. Auch dadurch verging der gut zwanzigminütige Satz wie im Flug, in welchem die Solistin außerdem in den Oktavwechseln mit einigen feinen Glissandi überzeugen und sowohl in den rhythmischen als auch den spielerischen Herausforderungen ihr schnelles Reaktionsvermögen unter Beweis stellen konnte...Nach der klaren, bestimmten, akzentuierten Melodievorstellung des zweiten Satzes durch das wunderbare Gürzenich-Holz, natürlich im Besonderen der Solo-Oboe, zeichnete Dego diese mit schönem Ton sanfter und auch mit mehr Vibrato nach. Kontraststark, knackig und mit spürbar ausgelassener Freude erhellten festliche Bläser und Pauken und wühlend-wirbelnde Streicher das Finale mit einer Stimmung, die Francesca Dego direkt übernahm...
Bachfrack, 14 März 2017
Von Jens Klier

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